Interview mit dem Cheftrainer Andreas Bolomsky

Nach dem unglaublichen Heimspielsieg am 27.09.2014 meldete sich das Handballportal „handball-world“, welches eigentlich nur bis zur dritten Liga berichtet mit dem Wunsch nach einem Interview.

Das nachstehende Interview ist auch bei handball-world zu finden:

Herr Bolomsky, mit 106 Toren dürfte das Spiel Ihrer HSG Freiberg gegen die HSG Werratal das vielleicht torreichste Ligaspiel überhaupt sein – wie haben Sie diesen Sieg erlebt?

Andreas Bolomsky:
An der Seitenlinie. Spaß beiseite. Das Ergebnis ist für mich nichts Ungewöhnliches! Ich betreue den Großteil dieser Mannschaft seit elf Jahren, angefangen in der F-Jugend. Alle erfolgreichen Jahre war das ein Alleinstellungsmerkmal unserer Dachse. Wir waren in Deutschland und vor allem im Ausland aufgrund unserer offensiven Abwehrarbeit und dem dynamischen Angriff immer wieder ein willkommenes Anschauungsobjekt und haben auch in der JBLH gezeigt, dass man auch ohne Übergrößen erfolgreich Handball spielen kann.

Wie konnte es aus Ihrer Sicht zu diesem Ergebnis kommen? War Ihre Mannschaft so gut aufgelegt?

Andreas Bolomsky:
Die Mannschaft war nicht besser als sonst! Beleg sind die sonst auch üblichen vielen, vor allem freien Fehlwürfe (30) und die hohe TRF-Anzahl (ich glaube 16). Wir haben einfach nur in unserer Abwehr an dem Tag noch mehr Bälle schnell gewonnen. Das Resultat wollte keiner! Wir spielen aber, häufig sehr zum Missfallen einiger Zuschauer, immer bis zum Schlusspfiff „volle Pulle“ und das seit der E-Jugend – unabhängig vom Spielstand.

Überwiegt die Freude über die große Anzahl an eigenen Toren oder ärgern Sie vielmehr die vielen Gegentore?

Andreas Bolomsky:
Weder noch! Sie haben ja gerade erfahren, wie viel Verbesserungsbedarf noch vorhanden ist. Und, viele belächeln uns intelligenterweise mit unserem 3:3- Abwehrsystem. Nur ganz wenige Trainer bekommen mit, dass damit unglaublich viele einfache und vor allem saubere Ballgewinne erzielen. Am Wochenende waren es über 55, wenn ich die Zahl richtig habe. Es wären sogar noch viele mehr, wenn das Thema „Schritte“ eine höhere Beachtung hätte – und das sind Ballgewinne ohne Härte und für die Gesundheit der Gegenspieler gefährliche Aktionen!

Wenn man hört, dass in einem Spiel über 100 Tore gefallen sind, geht man ja eigentlich eher von schlechten Deckungsreihen aus, die dem Angriff das Tore werfen dadurch erst ermöglichen …

Andreas Bolomsky:
Es ist ein unglaublich weit verbreiteter Fehler der Abwehrarbeit ein schlechtes Zeugnis zu geben! Gerade die gute Abwehr hat uns die vielen Ballgewinne beschert. Im Angriff dagegen haben wir eine Effektivität von knapp über 50 Prozent erzielt. Zum einen, weil wir weiterhin im Angriff noch viel Potential zu einfach verschenken und zum anderen natürlich auch, weil uns auch der Gegner und der sehr gute gegnerische Torhüter viele Bälle abgenommen haben. Unser Ziel muss als sein, den Angriff weiter zu verbessern und natürlich gibt es auch in der Abwehr Bedarf. Wir werden beides versuchen!

Was muss der Spieler ausgeben, der das 60. Tor geworfen hat?

Andreas Bolomsky:
Bei uns nichts. Er hat nur eines von 60 Toren geworfen. Kann sein, dass die Spieler intern damit ihren Spaß haben, aber sonst gar nicht. Das Ergebnis ist doch nur das Resultat einer Teamleistung. Das haben wir auch noch nie anders gehalten und wir haben schon viele Tore geworfen und viele Siege errungen.

Sie haben diesen Sieg vor eigener Kulisse feiern dürfen. Könnten Sie kurz schildern, was in der Halle los war: Wie groß war die Begeisterung der Fans?

Andreas Bolomsky:
Die Zuschauer haben sich natürlich gefreut, logisch! Aber diese Begeisterung existiert für die Dachse schon seit Jahren. Die Spiele in der JBLH in den letzten zwei, besonders im letzten Jahr waren oft ausverkauft. Die Stimmung war immer grandios, egal, ob Sieg oder Niederlage. Die Zuschauer haben immer die Leistung anderer Teams, wenn sie besser waren, anerkannt. Genauso haben sie aber auch die Jungen immer unterstützt, weil sie immer alles gegeben haben, von der ersten bis zur letzten Minute. Bei uns geht die Partie sofort mit Anpfiff los und endet mit Abpfiff. Das hat das Publikum geliebt. Bei den Männern wird es in der Halle nun schon lange unglaublich eng, da auch die Männer seit Jahren ein gutes Stammpublikum besitzen. Nun ist das Publikum nur deutlich jünger geworden, ebenso wie der Altersdurchschnitt auf dem Parkett. Wir wollen mit unserem Spiel Begeisterung wecken und die Zuschauer unterhalten! Das ist uns nun schon einige Jahre, fernab vom ganz großen Konzert, sehr gut gelungen.

Der Sieg war ja trotz allem recht deutlich. Was ist aus Ihrer Sicht spektakulärer bzw. unterhaltsamer für die Zuschauer – ein solches Torfestival mit über 100 Treffern oder ein bis zur letzten Sekunde umkämpfes Spiel? Und welche der beiden Varianten ist Ihnen lieber?

Andreas Bolomsky:
Schwer zu sagen. Ich denke, die Zuschauer mögen beides. Sicher von keinem zu viel. Bei den Spielern ist die Meinung diesbezüglich aber eindeutig: Sie lieben lieber die engen Spiele, wo es in jeder Situation darum geht, zu bestehen und die richtigen Entscheidungen zu treffen! Sie hätten also lieber ein 38:37 gehabt oder wie vergangene Woche auswärts einen 38:39- Sieg. Mir ist das fast egal. Mir ist nur wichtig, dass jeder sein Bestes gegeben hat und alles „sauber“ ablief. Wenn der Gegner besser ist oder einfach mal mehr Fortune hat, ist das auch okay.

Nach drei Spielen stehen 145 geworfene Tore für Ihre Mannschaft zu Buche – war der Angriff ein besonderer Schwerpunkt in der Vorbereitung?

Andreas Bolomsky:
Nein, der Angriff war kein Trainingsschwerpunkt. Schwerpunkt war, die elf A-Jugendlichen mit den verbliebenen Männern, die sich dieser neuen Herausforderung stellen wollten, zu einer Einheit zu formen. Deshalb sind auch noch einige Aktionen in Angriff, wie Abwehr (inkl. Tor) sehr holprig. Wir werden aber versuchen, uns im Training weiter zu verbessern. Eine Einheit stand auf jeden Fall vom ersten Tag auf dem Spielfeld. Ich hätte nie geglaubt, dass das so schnell geht!

Mit 6:0 Punkten sind Sie derzeit Tabellenführer in der Mitteldeutschen Oberliga …

Andreas Bolomsky:
Eine schöne Momentaufnahme! Durch das punktspielfreie Wochenende sind wir es sogar 2 Wochen. Damit sind wir es schon mal länger, als Paderborn in der Fußball-Bundesliga. Von solchen belebenden Elementen lebt doch der Sport!

Zum Abschluss: Wie kann dieser unglaubliche Sieg in dieser Saison noch getoppt werden?

Andreas Bolomsky:
Ich denke schon, dass das getoppt werden kann. Eben dann, wenn man nicht das Einzelergebnis in den Mittelpunkt rückt, sondern einfach die Entwicklung. Wir wollen uns weiter verbessern, gesund bleiben sowie Spaß und Erfolg im Handball haben!

Herr Bolomsky, vielen Dank für das Gespräch.